Zwei Badegärten der 1930er Jahre
Trouvaillen in Zürich-Höngg

In 2009 und 2012 untersuchten wir zwei Gartenanlagen in Zürich-Höngg, in denen sich mit einem Brausegarten (1935) und einem Badegarten (1932) zwei echte Trouvaillen der 1930er Jahre finden liessen. Das Brausebad fand sein Schweizer Publikum an der ZÜGA, der Zürcher Gartenausstellung 1933", als kleine fusstiefe Becken mit Duschbrause, umgeben von einer Glaswand. Ernst Cramer wählte an der ZÜGA „... kombinierte mustergütig Glaswände, Brausemulde, Wasserbecken, Sandspielplatz, eine steinerne Gartenbank und Natursteinplattenbelag gemäss den neuesten Anregungen von Harry Maass in Der Garten – Dein Arzt. … Cramers Beitrag entsprach so sehr dem gängigen Ideal des Wohngartens, … dass es dem Gartenarchitekten gelungen war, mit wenigen Elemente ein überzeugendes, stimmungsvolles Gartenbild zu schaffen.“ (nach Weilacher 2001, p.25)

Der Badegarten der Dreissiger Jahre war eine architektonisch gestaltete Partie mit rechteckigem Becken, einer Schattenzone und einem besonnten Rasenplatz. Eine Pergola als Wandelhalle und eine Natursteinmauer bilden in ihm den baulichen Abschluss. Durch seine Südexposition vermögen die Mauersteine Sonnenwärme speichern und am Abend an den Sitzplatz zurückgeben. Das rechteckige Wasserbecken lag vor der Pergola, woran eine regelmässige Rasenfläche für Liegestühle anschloss. Es waren intime, vor Wind und Blicken geschützte Orte. In Deutschland gelten die Badegärten des Otto Valentien 1930, Harry Maasz 1931 oder Gustav Allingers als vorbildlich. Johannes Stoffler und Udo Weilacher konnten nachweisen, dass deren Werke bei den Zürcher Gartenarchitekten bekannt waren. In einer Schrift des BSG stellten die Gebr. Mertens 1930 einen architektonischen Badegarten vor. Albert Baumann publizierte 1953 ein weiteres Beispiel eines Wohn- und Badegartens in Zürich, ebenfalls erstellt von den Gebrüder Mertens (ohne Datum).Ein wichtiges, späteres Beispiel ist der fünfeckige, expressionistische Badegarten der Villa Tobler in Zürich-Fluntern, entstanden um 1935 (Gartenarchitekt Ernst Klingelfuss). Der architektonische Badegarten verschwindet bereits nach 1935 wieder und geht in einer naturalistisch anmutenden Szenerie des Wohngartenstils auf.

Während der Badegarten 2010 unter Schutz gestellt werden konnte, unterblieb die Unterschutzstellung des Brausegartens aus politischen Gründen.

Auftraggeber / Bauherr

Grün Stadt Zürich, Fachstelle Gartendenkmalpflege

Projektdaten

Schutzwertbeurteilung 2009 | 2012

Zusammenarbeit

Raya Hauri, Kunsthistorikerin MA (2012)