Landhaus Bocken Horgen
Gutachten zur Entwicklungsgeschichte der Gartenanlage von 1914

asp Landschaftsarchitekten AG in Zürich haben das Büro für Gartendenkmalpflege für eine gartendenkmalpflegerische Voruntersuchung der Gartenanlagen des Landhauses Bocken in Horgen ZH beigezogen. Sie bildet die notwendige Grundlage für Ersatzmassnahmen im Gehölzbestand, und ist Basis für die langfristig angestrebte Entwicklung der Gartenanlagen um das Landhaus.

Die Grundform der heutigen Gartenanlagen geht auf einen Entwurf des Gartenarchitekten Paul Hermann Schädlich von 1913 zurück, neben Ernst Klingelfuss der erste freie Gartenarchitekt in Zürich. Sein Entwurf sah eine zweckmässige Unterteilung der Anlagen in verschiedene Nutzungsbereiche vor, die er auf unterschiedlichen Geländeniveaus installierte. Zentrum und Herzstück der Anlagen war der Gartenhof oder „Parterre-Garten“ auf der Südseite des Landhauses. Ursprünglich symmetrisch angelegt und mit Rosen, immergrünen Büschen und Lärchen ausgestattet, wurde die Partie zwischen 1960/65 in seine heutige Gestalt überführt. Anlass bot der Einbau eines Schwimmbads. Weitere Elemente der Gartenanlagen waren der mit einer Eibenhecke umgebene Spielplatz, ein Blumenweg und ein Kindergarten mit Spielpavillon. Stilistisch lässt sich die Gartenanlage dem damaligen Reformgarten zuweisen, der nutzbare und heimatverbundene (seinerzeit „bodenständige“) Gärten bevorzugte und sich an Anlagen vor 1800 orientierte. Der Garten verstand sich als Gegensatz zum repräsentativen doch nutzlos empfundenen Architekturgarten wie zum späten Landschaftsgarten des Historismus. Aufgrund seiner im Kanton Zürich frühen Entstehungszeit 1914 zählt er zu den ältesten seiner Art.

Die gartendenkmalpflegerische Untersuchung hat darüber hinaus ergeben, dass im Bocken etliche der heute zu Tage tretenden Elemente deutlich weiter zurück datieren als bislang angenommen. Schädlich hatte in seinem Entwurf das Wegenetz des 18. und 19. Jahrhunderts in seine Planungen übernommen und sie zum Ausgangspunkt seiner Planungen gemacht. Aus der Epoche, da der Bocken noch Wirtshaus und beliebtes Ausflugsziel war, stammen die Terrassenanlagen und Kanzeln im Norden und Osten, die im Bogen geführte Zufahrt in den Gartenhof und einige Linden am Bockenweg. Auf den Terrassen befanden sich in der 2. Hälfte des 19. Jh. Schattenbäume, Biergärten und kleinere Blumenarrangements, wovon sich neben einer älteren Pflasterung auch noch die Fundamente des 1836 errichteten, 1913 abgebrochenen Gästehauses erhalten haben. Aus der Bauzeit des Landhauses stammen noch der Bockenweg, der spätmittelalterliche Pilgerweg von Zürich nach Einsiedeln, die Topografie des Bühls und im Kern der heute gepflasterte Aufstieg am Spielplatz und Gartenhof.

Auftraggeber / Bauherr

asp Landschaftsarchitekten, Zürich
Credit Suisse SA

Projektdaten

Entwicklungsgeschichte 2011

Zusammenarbeit

asp Landschaftsarchitekten, Zürich

Fachplaner

mattec+, Lenzburg
(Schadensbeurteilung, Sanierungskonzept Stützmauern)