Garten Villa "Im Forster"
Schutzwertbeurteilung der 5ha grossen Gartenanlage

Der Garten der Villa „Im Forster“ ist beredetes Zeugnis der in den 1930er Jahren geführten Gartendiskussion um den Garten der Zukunft. Als Beispiel par excellence stand (!) der Villengarten für den "Kommenden Garten" und war für die Schweiz von nationaler Bedeutung. Der Garten stellte alles Bisherige in den Schatten, das man in der Schweiz vom neuen Wohngartenstil gewohnt war.

Ende der 1920er Jahre wandelte sich der Naturbegriff, Natur und damit der Garten wurden als Gegensatz zur modernen Grossstadt verstanden. „Der kommende Garten wird sicher als Gegengewicht gegen „Stein, Holz, Eisen“ der modernen Grossstadt gestaltet werden. Der zukünftige Stadtmensch wird aus einer gewissen Seelennot den Garten ganz grün verlangen. [...] Da die nächste Generation ein Doppelleben führen wird: das graue Stadtleben und das grüne Gartenleben, muss der kommende Garten ‚100 Prozent Grün’ aufweisen.“ Der im Zitat bezeichnete „Kommende Garten“ wurde zeitlich, nicht programmatisch verstanden, da der umschriebene Gartentypus um 1930 fachlich noch nicht greifbar war (auch wenn Harry Maasz 1925 den Begriff Wohngarten erstmalig prägte). Man definierte den Garten über seine künftigen Eigenschaften – und den Erwartungen, die man an ihn stellte. Der „Kommende Garten“ wurde im Sinne des Dänen G.N. Brandts als die vollständige Abkehr von der Gartengestaltung im herkömmlichen Sinne verstanden. „Der Gartenkünstler fasst ein Stück Natur mit einer Mauer ein, so wie der Juwelier dem edlen Stein eine sichere und würdige Fassung gibt, sonst zieht er sich bescheiden zurück, ohne Spuren zu hinterlassen. Jeder Formwille ist untergegangen in einem innerlichen Naturanbeten, wogegen der Japaner und der Rousseauzeiten fahl und äusserlich war.“

Für Brandt bedeutet der Garten eine Abkehr von der realen Welt in eine abgeschiedene und sich abwendende Welt der Illusionen. Er bildet das Gegengewicht zur Stadt. Daher muss der Garten nicht nur Grün sein, sondern er muss auch Weltabgeschlossenheit bieten. „Wie das bewusste Klarlegen der räumlichen Verhältnisse ästhetischen Genuss vermitteln kann, so kann auch die bewusste Hemmung des klaren Sehens Gartenwerte hervorrufen, aber von anderer Art. Wir werden zu Gedankenreihen und Träumereien angeregt, zu Geistestätigkeit und Genuss.“ Das Neue und somit die besondere Qualität des kommenden Gartens im Brandt’schen Sinne ist das andere, das neue Naturgefühl, in der die Architektur „gebraucht, missbraucht und einbezogen wird, um durch das triumphierende Naturgefühl verhöhnt zu werden.“

Der Garten der Villa Im Forster war Abbild der Gartendiskussion und Ausdruck par excellence der Brandt’schen Idee. Zwar gelang es, die rund 5ha grosse Wiese als Gartendenkmal weitgehend vor einer Überbauung zu schützen. Doch an Stelle dichter Grenzpflanzungen rahmen heute mehrgeschossige Wohnhäuser die Wiese ein. Die einst gesuchte Abkehr von der grauen Stadt ging damit für immer verloren, die jahrzehntelange Romantik des Orts wich einer nüchternen protestantischen Pragmatik!

Auftraggeber / Bauherr

Fachstelle Gartendenkmalpflege - Grün Stadt Zürich

Projektdaten

Schutzwertbeurteilung 2003

In Anstellung

Metron Landschaft AG, Brugg