La Ca' Cervo nella Valle Calanca
Instandsetzung eines mehrhundertjährigen Baudenkmals

Auf der Suche nach einem käuflichen Baudenkmal haben wir dieses Kleinod im oberen Calancatal gefunden. Zusammen mit einem Ökonomiegebäude war es über Jahrzehnte leergestanden und kann jetzt vor dem Verfall gerettet werden. Im Dezember 2016 erhielten wir die Baugenehmigung von Gemeinde und Kanton. Nach einer längeren Planungsphase können wir im Frühjahr 2017 beginnen. Die Arbeiten sind auch in 2019 in vollem Gange. 

Aus der Baugeschichte zeichnet sich ab, dass der zweigeschossige Steinbau aus dem 1. Drittel des 16. Jh. stammt und 1676 (d) in ein ganzjährig bewohnbares Wohnhaus umgebaut wurde. Ursprünglich war das Anwesen eine temporär bewohnte Maiensäss mit zweigeschossiger Milchküche, einer angebauten, eingeschossigen Stallscheune, einem Backhaus und einem freistehenden Schlaf-/Speicherhaus (torbà). 1676 wird das Obergeschoss gegen Norden um eine beheizbare, Arven getäferte Stube mit Gneisofen erweitert und um Mitte des 18. Jh. die Stallscheune zu einer zweiten Stube umgebaut. 1814 wird der Strickbau der ehemaligen Stallscheune um ein zweites Geschoss zur Aufnahme einer weiteren Schlafkammer aufgestockt, das Dach in Teilen neu aufgerichtet. Stube und Schlafkammer werden nach Pariser Mode in dunklem Grün gestrichen. Zwischen 1934-36 erfuhr das Wohnhaus eine Modernisierung. Die barocken Ausstattungen in der Stube wurden entfernt, das Haus komplett neu befenstert und die Stube mit Buffet und Standuhr neu ausgestattet. In den 1960er Jahren erhielt das Haus ein Badanbau am Ort des dafür abgebrochenen Backhauses. Abgebrochen wird leider auch der alte Giltsteinofen des 18. Jh.

Liegen die Ursprünge der einstigen Maiensäss noch im Dunkeln, kommt als möglicher Bauherr des Umbaus von 1676 ein Richter Petro Bertossa aus der Linie jener von al Sabbion in Frage. Jener Pietro war mit Anna Magdalena na. Moretti, Tochter der Coniux  [Königin] gnd.m Dom. Moreti verheiratet und Spross einer angesehenen Patrizierfamilie, deren Vorfahren und Nachkommen wiederholt die Ämter des Consuls, Landammanns oder Richters bekleideten und so über ein regelmässiges Einkommen verfügten. Richter Bertossa errichtete sich wenige Jahre später ein Palais mit reichhaltiger Renaissance-Ausstattung gegenüber der Ca' Cervo. Es waren um 1700 die beiden einzigen steinernen Wohnhäuser im Ort, deren Auffälligkeit sich auch darin äusserte, dass entgegen der dörflichen Bautradition ihre Traufseiten (und nicht ihre Giebel) talwärts orientiert waren. Über sechs Generationen blieb die Gebäudegruppe im Besitz der Bertossa, bis die Linie kinderlos erlosch. Vor 1919 erwarb Aurelio Degiacomi beide Gebäude, deren Enkelkinder das Haus zuletzt bewohnten. 

Die benachbart stehende torbà, ein konstruktiv spätmittelalterlicher Strickbau aus dem Jahre 1527/28 (d) stellt eines der ältesten Gebäude im Dorf dar. Aktuell erfolgt seine Reparatur und Instandsetzung, die kommende Woche im Rohbau abgeschlossen sein wird. Das Gebäude soll in Zukunft die Gästezimmer der Ca' Cervo aufnehmen. 

Dokumentation des Val Calanca aus dem Jahre 1961
(R. Giambonini : Val Calanca – 1961 ab Min. 53)

 

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