La Ca' Cervo nella Valle Calanca
Instandsetzung zweier mehrhundertjähriger Baudenkmäler

"il passato ben osservato è il maestro del futuro" -  Die gut beobachtete Vergangenheit ist der Meister der Zukunft (Greisin Calancatal 1954)

Auf der Suche nach einem käuflichen Baudenkmal haben wir dieses Kleinod im oberen Calancatal gefunden. Zusammen mit einem Ökonomiegebäude war es über Jahrzehnte leergestanden und konnte durch uns vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Im Dezember 2016 erhielten wir die Baugenehmigung von Gemeinde und Kanton. Nach einer längeren Planungsphase können wir im Frühjahr 2017 beginnen. Auch im vierten Jahr seit der Baubewilligung sind noch bedeutende Arbeiten auszuführen. Ziel ist uns aber die Vermietung der beiden Häuser im Sommer 2020 zu ermöglichen. 

Aktuell wenden wir uns dem teilweisen Wiederaufbau der torbe zu. Dort fand sich zu unser Aller Überraschung unter Zentimeter dicken Ziegenmist eine spätmittelalterliche, bodenebene Feuerstelle. Dies erwies sich als kleine Sensation, handelt es sich um eine ganz seltene, in diesem guten Zustand erhaltene Feuerstelle in den Bündner Südtälern. Sie wurde just von der kantonalen Archäologie photogrammetrisch aufgenommen und wir werden sehen, zu welchen Erkenntnissen ihre Befundung führt. Bereits das zur Feuerstelle zugehörige Schlafhauses, ein konstruktiv spätmittelalterlicher Strickbau aus dem Jahre 1527/28 (d), stellte sich als eines der ältesten Gebäude im Dorf heraus. Nun sind wir gespannt, ob der Zufallsfund die frühe Siedlungsgeschichte im Calancatal weiter zu erhellen vermag. Zumindest zeigt es uns, dass auch die torbe zu ihrer Bauzeit ein eigenständiges Gebäude mit Feuerhaus war. 

Aus der Baugeschichte der Ca' Cervo verweist eine dendrologische Datierung eines Dachunterzuges auf das Jahr 1526 als mögliches Baujahr. Der damals schon zweigeschossige Steinbau wurde 1676 (d) in ein ganzjährig bewohnbares Wohnhaus umgebaut und gegen Norden um eine beheizbare, Arven getäferte Stube mit Gneisofen erweitert. Mitte des 18. Jh. wurde der Heuschober der an den Steinbau angebaute Stallscheune in  eine zweite beheizbare Stube umgenutzt, wofür sie eine einfache barocke Ausstattung mit Giltofen erhielt. Ein grösserer Umbau im Jahre 1814 führte zur Aufstockung der Stallscheune für eine weitere Schlafkammer. Der nächste Umbau zwischen 1934-36 brachte den Bewohnern neuen Komfort. Neben einem ersten Wasseranschluss  wurde das Haus komplett neu befenstert und die Stube mit Buffet und Standuhr ausgestattet. Die Sechzigerjahre erlaubten die Elektrifizierung des Hauses und die Einrichtung eines Badzimmers samt WC in einem eingenschossigen  Anbau (den die Denkmalpflege aus Ortsblidgründen am liebsten abgebrochen sähe...)

Liegen die Ursprünge der einstigen Maiensäss noch im Dunkeln, kommt als möglicher Bauherr des Umbaus von 1676 ein Richter Petro Bertossa aus der Linie jener von al Sabbion in Frage. Jener Pietro war mit Anna Magdalena na. Moretti, Tochter der Coniux  [Königin] gnd.m Dom. Moreti verheiratet und Spross einer angesehenen Patrizierfamilie, deren Vorfahren und Nachkommen wiederholt die Ämter des Consuls, Landammanns oder Richters bekleideten und so über ein regelmässiges Einkommen verfügten. Derselbe Richter Bertossa erbaute sich wenige Jahre später ein palaisähnliches Wohnhaus mit reichhaltiger Renaissance-Ausstattung gegenüber der Ca' Cervo. Es waren um 1700 die beiden einzigen steinernen Wohnhäuser im Ort, deren Dachfirst ausserdem (entgegen der dörflichen / örtlichen Bautradition des Talbodens) nicht talwärts orientiert waren. Über sechs Generationen blieb die Gebäudegruppe im Besitz der Bertossa, bis die Linie Ca'Cervo kinderlos erlosch. In Folge gelangte das Wohnhaus an die Familien Degiacomi und Vezzoli, deren Enkelkinder das Haus zuletzt bewohnten.

Dokumentation des Val Calanca aus dem Jahre 1961
(R. Giambonini : Val Calanca – 1961 ab Min. 53)

 

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