Landzürcher Reformgarten von Robert Froebel
Frühe Hommage an das Automobil
In einer Landgemeinde des Kantons Zürich war ein Hausgarten gartendenkmalpflegerisch zu beurteilen. Da Haus und Garten verborgen an einem Waldrand lagen, blieb die Liegenschaft lange Zeit den Augen der Bauinventarisation verborgen. Dies sollte sich ändern, als die Eigentümerschaft den Abbruch der Villa beantragte.
Es trat eine Trouvaille ans Tageslicht, wo das Wohnhaus vollkommen im Zustand der Bauzeit erhalten war und der im Jahr 1929 realisierte Hausumschwung der Feder des renommierten Gartenarchitekten Robert Froebel entsprang. Der Garten war eine frühe Hommage an das Automobil, worin eine langgezogene U-förmige Zufahrt die Hausvorfahrt mit Wendeplatz als auch die im Keller des Hauses eingerichtete Garage erschloss und damit rund die Hälfte des gestalteten Hausgartens einnahm. Der Garten hinter der Villa war hingegen erstaunlich zurückhaltend eingerichtet. Er profitierte primär von der ungeminderten Aussicht auf das Prospekt des mittelalterlichen Ortskerns, die von einer grosszügig bemessenen Hausterrasse genossen werden konnte. In den 1940er-Jahren erweiterten die Erben des Bauherrenfamilie die Terrasse um einen Gartenpavillon und überspannten den Sitzplatz mit einer Tessiner Pergola. In dieser Gestalt hatte der Garten Bestand bis zu unserer Augenscheinnahme.
Eine neue Eigentümerschaft liess im Jahr 2021 ohne Vorankündigung den gesamten Gehölzbestand abräumen, schweres Gerät den Garten durchpflügen. Unser Büro wurde von der Denkmalpflege eingeladen, eine Beurteilung der Schäden vorzunehmen. Es zeigte sich, dass die Rodungen auch Unerwartetes zu Tage gelegt hatten. Mehreren Orts fanden sich bauzeitliche Ausstattungen, die zuvor im Gestrüpp oder unter der Bodendecke verborgen lagen. Diese neuen Fundstücke konnten von uns aufgemessen, dokumentiert und beschrieben werden.
Nach abermaligen Besitzerwechsel wurde das Haus als WG vermietet, deren MieterInnen den ehemaligen Gemüsegarten freilegten und in Nutzung nahmen. Dieser wurde von uns 2022 kartiert. Auch wurde geprüft, wie der Garten auf die immensen Flurschäden reagierte. Die aus der früheren und neuerlichen Bestandesaufnahme resultierenden Erkenntnisse führten zu einer abschliessenden Beurteilung der Bedeutung der Gartenanlage, wo am Ende schliesslich eine für beide Parteien akzeptable Einigung gefunden werden konnte.
Auftraggeber / Bauherr
Zürcher Landgemeinde X.
Projektdaten
2020: Erste Augenscheinnahme, Empfehlung
2022: Zweite Augenscheinnahme, Empfehlung
Zusammenarbeit / Arbeitsgemeinschaft
Regula Michel, Kunsthistorikerin Zürich
