Lindenberg Stein a/Rhein
Ritterromantik und Heimatschutzstil

Kolonialgeschäfte mit Perlen, Tabak und Kaffee verhalfen dem Steiner Kaufmann Arnold Schmid zu einigem Reichtum. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz erwarb der Geschäftsmann eine Landparzelle von ca. 1 Hektar Flächenmass als künftigen Bauplatz seines Landhauses. Für den Neubau konnte er den Schaffhauser Architekten Carl Werner gewinnen, der u.a. das Krematorium im Waldfriedhof Schaffhausen erstellt hatte. Wie (selbst-)bewusst der Bauplatz gewählt war, zeigte sich im Sichtbezug zur Burg Hohenklingen, in deren Blickachse der so genannte «Lindenberg» erstellt ist. 

Architekt Werner plante für seine Wohnbauprojekte stets auch den Garten mit. Dabei verzichtete er auf eine durchgreifende Gartengestaltung. Vielmehr suchte er seine Villenbauten wie selbstverständlich in die gegebene Kulturlandschaft einzufügen, um nicht störend zu wirken. Seine Gärten gaben sich schlicht und gestalterisch zurückhaltend. Sie stützten sich auf landschaftsprägende Elemente wie Wildhecke, Hostett (Obstbaumwiese) und Bünte (Pflanzplätz) ab und integrierten sich gefällig in die sie umgebende Kulturlandschaft. Dasselbe Prinzip liess sich auch für das Landhaus «Lindenberg» feststellen. Hier waren es die weitläufigen unbestockten Wiesen, die sich mit dem Mattland der nahen Rheinwiesen verwoben und den Ufern des Untersees vereinten. Die Umgebung des «Lindenbergs» keineswegs Ausdruck einer fehlenden Gartengestaltung, sondern vielmehr beredetes Zeugnis der damaligen Heimatschutzbewegung: „Wer im Sinne des Heimatschutzes das, was eine Landschaft bezeichnend ist, erhält, dient der Wissenschaft, der Geschichte und der Kunst zugleich. Landschaftspflege ist aber mehr als Erhaltung; es ist Verschönerung – jawohl, Verschönerung der Landschaft. […]" (Gradmann, E. „Ueber Landschaftspflege“ in: Heimatschutz Bd. 4 (1909), Heft 6, S. 41)

Innerhalb der aussichtsreichen Lage des Landhauses nimmt seine Bezugnahme auf die Burg Hohenklingen die grösste Bedeutung ein. Die ebenso pittoreske wie romantische Beziehung beider Bauten verweist auf die enge Verbundenheit der Familie mit Stein am Rhein und ihrem Wahrzeichen Burg Hohenklingen. Die Beziehung beider Bauwerke wird im Wissen um die lange genealogische Linie der Familie Schmid verständlich, deren Geschlecht im 15. Jahrhundert aus Konstanz nach Stein am Rhein einwanderte und für ihre diplomatischen Dienste zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch den kaiserlichen Hof als «von Schwarzenhorn» geadelt wurde. Die Bezugnahme manifestiert sich nicht nur im Aussenraum, sondern findet auch im altdeutschen Interieur des Landhauses Entsprechung, etwa der Rauchküche oder den Ritterüstungen im Treppenhaus.

Bezeichnend ist, dass Architekt Werner ebenfalls das gehobene Wohnhaus der Schwester des Arnold erbaute. Auch für diese Villa wählte Arnold eine Bauplatz, der in direktem visuellen Blickbezug zur Burg Hohenklingen steht. Die Sichtachse erweist sich so als Teil des Bauprogramms der Familie Schmid und macht ersichtlich, dass diese gewollt war und sich nicht zufällig ergab.

Aus genannten Gründen konnte dem Anwesen eine hohe Zeugenschaft attestiert werden.  

 

Auftraggeber / Bauherr

Private Investorengruppe  

Projektdaten

2019: Schutzwertbeurteilung