Ka-We-De Bern-Kirchenfeld
Ein der klassischen Moderne verpflichtetes Freibad

Das von den Architekten Rudolf von Sinner (1890-1960) und Hans Beyeler (1894-1968) in Eigenregie erarbeitete und finanzierte Projekt einer Kunsteisbahn benötigte rund 18 Monate und vier Entwurfsstadien bis zur Baureife. Ihre bahnbrechende Idee war es, die Kunsteisbahn mit einem Kinderbad als Sommernutzung zu verbinden. Um die Einrichtung quer zu finanzieren, dachten die Architekten zuerst eine Tennishalle an, übernahmen dann aber die Idee des Wellenbads des Zürcher Grand Hotels Dolder. Doch das Geld war und blieb immer knapp. Die Schifffahrtsarchitektur der Moderne war vielen potentiellen Investoren zu gewagt, die mondäne Nachbarschaft des Kirchenfelds prozessierte verbissen gegen das Projekt und die Wirtschaftskrise anfangs der dreissiger trug das Ihre dazu bei, dass sich die Anteilsscheine am KA-We-De kaum noch verkaufen liessen. Am Ende erwarb die Stadt Bern die Mehrheit an der Badi und ermöglichte durch den Verkauf verbilligter Tickets den Stadtberner Schulklassen den Zutritt in die Badi.

Obwohl der Eisbahnbetrieb eigentlicher Anlass der Gründung der Ka-We-De gilt, orientierten sich Aufbau und Gliederung der Gesamtanlage an ihrer sommerlichen Nutzung. Denn einzig im Sommer wurde die Ka-We-De als Ganzes betrieben und war als Ganzes erlebbar. In ihrer Umgebung sind zwei gestalterischen Elemente prägend: ihre Topografie und ihre Unterteilung in drei Anlagenteile, das Planschbecken, das Wellenbad und der Strandbereich dazwischen. Das Restaurant dient als Raumteiler zwischen den beiden Bädern.  Die Ka-We-De hatte anfangs neben den Wasserbecken und einem Sandplatz für Beach-Volleyball (!) keinen Aussenraum. Als Aufenthaltsort und zum Sonnenbad dienten Tribünenstufen und Decks des Restauranttrakts.

Ganz im Sinne der klassischen Moderne bezogen die Architekten jedoch die angrenzende Umgebung in ihre Badi ein und liessen die Landschaft in das Freibad hineinfliessen. Die gemeinsame Nutzung des Kinderbads als Eisfeld und Planschbecken war zuvor in Europa noch nicht erprobt und stellte eine technische Meisterleistung dar. Gestalterisch wie konzeptionell nahm es daher eine Schlüsselstellung im Gesamtkonzept ein. Das zentral stehende, grossflächige Wasserbecken erinnerte in seiner Ausdehnung an einen natürlichen See, in seiner Weite an den offenen Horizont des Meeres oder der grossen Schweizer Seen. Das grosse Wasser wird im Gegensatz zum Wellenbad als Element der Ruhe eingesetzt, dessen Oberfläche das Bild der Landschaft spiegelnd aufnimmt. Dadurch gelingt es, die Wirkung der natürlichen Waldkulisse aufzunehmen und in die Ka-We-De zu überführen. Seine auf die «Ferien»-Architektur abgestimmte Freiraumgestaltung samt der auf ein Minimum reduzierte Materialverwendung übernehmen die Architektursprache der klassischen Moderne. Dergestalt verschmolzen Bauwerk und Landschaft zu einem untrennbaren Gesamtwerk.

Auftraggeber / Bauherr

Hochbauamt der Stadt Bern
Stadtgrün Bern 

Projektdaten

 2020: Schutzwertbeurteilung