Belairpark Schaffhausen
Parkpflegewerk für den ältesten Landschaftspark von Evariste Mertens

Belairpark und Belairanlage liegen oberhalb der Altstadt Schaffhausen im Stadtteil Breite. Die beiden heute öffentlichen Anlagen wurden 1874 vom damals 27-jährigen Evariste Mertens und seinem Compagnon Arnold Neher entworfen. Wurde die Belairanlage von Neher & Mertens selbst und getreu ihres Entwurfs umgesetzt, waren die beiden bei der Entstehung des Belairparks vermutlich nicht mehr direkt beteiligt. Ihr Entwurfsplan bestimmte aber massgebend die Ausführung der Parkanlage, was zwischen 1877 und 1905 in drei Etappen geschah. Neher und Mertens kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in London und Paris, wo sie für Edouard André (1840-1911) arbeiteten und sich zusammen u.a. an einem Wettbewerb in Manchester beteiligten. 1869 erwarb Vater J.C. Neher für seinen Sohn das Sonnenberggut in Schaffhausen. 1885 löste sich die Gesellschaft auf, als Mertens an die ETH Zürich berufen wurde. Arnold Neher zog anschliessend aus dem Erwerbsleben zurück.

Der Parkentwurf für das Belair zählt zu den frühesten und ersten grossen Auftragsarbeiten der beiden Landschaftsgärtner. Bei seiner Ankunft in der Schweiz war Mertens noch deutlich dem klassizistischen Landschaftspark verpflichtet, den er aus seiner Londoner Arbeit kannte. Deutlich treten im Entwurfsplan die englischen Ideale einer heiteren und idealisierten Landschaft in Erscheinung, wie es Mertens und Neher im Londoner Büro des Edouard André beispielsweise im Sefton Park in Liverpool verwirklicht sahen. Der Belairpark ist noch nicht vom sogenannten «Gemischten Stil» beeinflusst gewesen, einer Vereinigung von landschaftlichen und regelmässigen Partien und Gestaltungsweise, der sich Mertens seit seinem Aufenthalt in Zürich zunehmend verschrieb. Weil nach heutigem Kenntnisstand keine anderen Arbeiten Mertens aus seiner frühen Schaffensphase bekannt sind, fällt dem Belair auch aus kunstgeschichtlicher Sicht ein hoher Seltenheitswert zu. Sie besitzt als Schlüssel zum Verständnis seines Frühwerks und späteren Wirkens grosse Bedeutung.

Ursprünglich gehörten die beiden Parkanlagen zusammen. Erst in den späten 1920er-Jahren trennte der Neubau einer Strasse die beiden Grünanlagen. Die Belairanlage, die bereits 1926 in städtischen Besitz kam, wurde unter Stadtgärtner Heinrich Bebi in eine dem Architekturgarten verpflichtete Parkanlage überführt – die einzige Anlage der Moderne in Schaffhausen! Ihre Gestaltung war eng mit dem Ideal der Gartenstadt verbunden, die seit den 1910er-Jahren im Breite-Areal am Entstehen war. 1911 gewannen die Zürcher Architekten Gebrüder Pfister den städtebaulichen Wettbewerb für einen neuen Stadtteil in der Breite. Zwei kleine Zentren waren vorgesehen, ein langgestreckter Platz oberhalb der Kaserne und der damals so genannte «Randenplatz». Weil beide Platzanlagen nicht verwirklicht wurden, bot sich der Stadt mit dem Kauf der Belairanlage die letzte Möglichkeit, ein neues Zentrum ins Auge zu fassen. Laut Stadtrat sollte die öffentliche Anlage „… dem ganzen Breitegebiet gewissermassen das Aussehen einer im Entstehen begriffenen Gartenstadt“ verschaffen.

Unser Büro wurde im Herbst 2016 beauftragt, ein Masterplan zur künftigen Entwicklung der beiden benachbarten Parkanlagen zu verfassen. In 2017 wird dem mittlerweile vorliegenden Parkpflegewerk ein Pflegekonzept folgen.

Auftraggeber / Bauherr

Grün Schaffhausen

Projektdaten

2016: Parkpflegewerk / Masterplan
2017: Pflegekonzept