Bernisches Historisches Museum
Ältester Museumspark nach Vorbild früher Freiluftmuseen in Skandinavien

Der Entwurf eines Museumsgartens 1891 war für die Schweiz eine einmalige Bauaufgabe, wofür der Projektverfasser André Lambert kaum Referenzobjekte beiziehen konnte. Seine Leistung war es denn auch, den Museumsfreiraum als Ausstellungsbereich zu verstehen und ihm eine Funktion zu geben, die weit über die Bedeutung eines Vorgartens hinausging. Der Vorhof wurde zur pädagogischen Erweiterung des Museums, offene Hallen stellten die Verbindung zwischen Bauwerk und Garten her. Bei seiner Überarbeitung 1894 unterteilte Lambert den Museumsgarten in einen Mittelteil und zwei seitlichen Bereichen, die zu gedeckten Hallen mit Artefakte führen sollten. Lambert orientierte sich dabei an der räumlichen Aufteilung des Museums.

Das Bernische Historische Museum wurde von Lambert in einer Form entworfen, die sich vom herkömmlichen Bautypus des Monumentalbaus löste. Nicht der axial angelegte Baukörper mit gleich- und einförmigen Sälen und einer alles unterordnenden Symmetrie war die Lösung, sondern vielseitige Grundrisse und eine aufgelockerte und malerisch gegliederte Fassade. Lambert plante das Bauwerk aus den Beständen heraus. Den Museumsgarten verstand der Verfasser als Gegenentwurf zur Asymmetrie des Hauses: „Wenn unser Gebäude unregelmässig ist, so soll es sich doch an einen regelmässigen Platz anschliessen.“ Weiter verlangte der Architekt nach einheimischen Gehölzen – ein Novum in der Landschaftsgärtnerei! In der Bevorzugung heimischer Pflanzen und ihrer ausschliessliche Pflanzung in regelmässiger Form kündete seine Position im Kern bereits von der bevorstehenden Neuerung in der Gartenkunst, die sich seit Ende der 1870er Jahre in England manifestierte. Doch auch wenn seine Forderung modern war, beruhte sie auf einer historisierenden Sichtweise, weil seiner Meinung nach nur die heimische Pflanze die in der Museumsarchitektur zum Ausdruck gebrachte Epoche repräsentieren konnte. Die bernische Spätgotik kannte jene Hortikultur nicht, die im 19. Jahrhundert sehr beliebt war. Doch damit überwarf sich Lambert mit den Kunstgärtnern der Stadt Bern, die jede Gelegenheit nutzten, den architektonischen Entwurf zu hintergehen.

Der Garten, so zeigte es sich nach der Aufarbeitung seiner Quellen, ist ein Unikat in mehrerer Hinsicht. Er ist einmalig in der Bauaufgabe, ältere Museen der Schweiz besassen keine Gärten. Konzeptionell war der Garten ein Freilichtmuseum und somit Bestandteil des Museumskonzepts. Die Idee erlaubte es sogar, sehr früh auf eine landschaftliche Gestaltung zu verzichten. Der darüber ausgebrochene Streit zwischen Gärtner und Architekt nahm den 1907 in der Schweiz stattgefundenen offenen Bruch vorweg. Der Garten des Bernischen Historischen Museums zeugt bereits vom bevorstehenden Paradigmawechsel. Der Vorhof des Museums wird zum frühen „missing link“ des Übergangs vom Landschaftsgarten zum Architekturgarten.

Die gutachterlich empfohlene Pflege und Entwicklung des Museumsparks rät, die divergierenden Interessen, die seiner Gestaltung innewohnen, weiter leben zu lassen, und keiner Partei (oder gestalterischen Haltung) den Vorzug zu geben. Die hieraus resultierenden regelmässigen baulichen Strukturen und die freie Koniferenbepflanzung des Späthistorismus sind als gleichwertig zu erachten.

Die mittlere Partie des Museumsgartens bleibt das Entrée, seine seitlichen Partien dienen der Museumspädagogik und dem Aufenthalt. Die publikumsintensiven baulichen Ausstattungen und Events sollen dagegen in den südlichen Museumshof verlagert werden, wo heute der neue Kubus steht. Die südliche Partie des Museumsgartens kann entsprechend den neuen Ansprüchen in zeitgenössischer Form neu gestaltet werden.

Auftraggeber / Bauherr

Stadtgärtnerei Bern
Bernisches Historisches Museum

Projektdaten

Parkpflegewerk und Entwicklungskonzept 2005