Schlosspark Wädenswil
Leitbild für ein Arboretum und Landschaftspark von 1890

Vielfältige Nutzungswünsche, die Errichtung einer neuen Kernzone und ein jüngst entschiedener Wettbewerb für eine „Empfangs- und Begegnungszone“ auf dem Vorplatz des Schlosses Wädenswil rücken den Schlosspark in den Fokus des öffentlichen Interesses. Um die verschiedenen Nutzungsvorstellungen mit den Bedürfnissen und Erfordernissen im und um dem Schlosspark herum in Einklang zu bringen, aber auch um die künftige Pflege der Anlagen im Sinne einer gartendenkmalpflegerischen Steuerung steuern zu können, wurde das Büro für Gartendenkmalpflege für ein Leitbild beauftragt.

Die Bepflanzung des Arboretums wie die Platzierung der Gehölze innerhalb der Sammlung wurde im Laufe des ersten Jahre nach Bau der Erstanlage (1890 - 1914) bestimmt. Die im Zentrum stehenden Gehölze wurden dabei nach geographischen Aspekten wie in der Bevorzugung lichter und grossformatiger Blattgrössen ausgewählt, während dichte, schliessende Kronen eher in den Randbereichen vorkamen. Lag das Schloss und seine Schlossmauern frei und weithin sichtbar, so kamen die Gehölzgruppen seitlich dazu zum Liegen. Im Tobel und seine Übergangsbereiche kamen mehrheitlich heimische Wald- oder Waldrandgehölze zur Anwendung neben wenigen fremdländischen Exoten mit vergleichbaren standortspezifischen Eigenschaften.

 

Die Neugestaltung des Tobels wurde 1897 begonnen und der Bachlauf in den Wintermonaten 1898/99 unter der Leitung des deutschen Obergärtners Max Löbner fertig gestellt. Bei dem Wasserfall und künstlerisch geformten Bachlauf handelt es sich um eine exquisite Leistung der Kunstgärtnerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts und steht exemplarisch für das Kunstwollen, natürliche Landschaftselemente gartenkünstlerisch nachzubilden. Den Lauf eines Baches, insb. einen Wasserfall zu inszenieren oder nachzuahmen galt als wichtige Bauaufgabe in der Landschaftsgärtnerei. Der Schlossbachtobel zeitigt eine ganz besondere wenn nicht gar einmalige künstlerische und ingenieurtechnische Leistung und aufgrund seiner Länge über 100 Meter eines der seltenen, unverändert erhaltenen Bauwerke seiner Art in der Schweiz.

Das Arboretum als Erbe der 1914 aufgelösten deutschschweizerischen Gartenbauschule steht in einer Linie mit Châtelaine und Oeschberg. In der Ausbildung hiesiger Gärtner zu Gartenkünstler ist Wädenswil ein wichtiges Bindeglied für das Selbstverständnis des Schweizerischen Berufsstands. Arboretum und Tobel in Wädenswil veranschaulichen den praxisbezogenen Teil der damaligen Ausbildung zum Kunstgärtner vor 1914. Wädenswil ist neben seiner künstlerischen Bedeutung darum auch ein wichtiges Zeugnis der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Schweiz.

Auftraggeber / Bauherr

Bundesamt für Bauten und Logistik BBL
Bundesgärtnerei

Projektdaten

Gutachten und Leitbild 2011