Marzilimoos Bern
Schutzwertbeurteilung der Schulanlage

Der Kanton Bern strebte mit dem bevorstehenden Auszug der Pädagogischen Hochschule Bern eine Umnutzung ihres Areals an der Brückenstrasse an. Als neue Nutzung stand Wohnen im Vordergrund. Die Stadt begrüsste die Entwicklung des Areals, sie wusste aber auch, dass ihr der Auszug die Chance bieten kann, eigenen städtischen Schulraumbedarf besser abzudecken. Die Stadt traf verschiedene Vorabklärungen, so auch eine Schutzwertfeststellung von Schulgebäude und Aussenanlagen.
Unser Gutachten bestand aus zwei Teilen – Teil 1: Bauten und Teil 2: Freiraum. Das Gesamtgutachten kam zum Schluss, dass die Schulhausanlage Marzilimoos in ihrer Gesamtheit schutzwürdig ist. Die Aussenanlagen entsprechen dem Gartenbauideal der vierziger Jahre und zeigen eine für die Deutschschweiz typische Gestaltung, worin einerseits der Naturstein und andererseits die gärtnerische Behandlung der Bepflanzung und Kleinarchitekturen die wesentlichen Rollen einnahmen. Die Anlagen stehen ferner für eine Phase des Übergangs vom Gartenarchitekten zum Landschaftsgestalter, in der man sich der der Landschaft zu öffnen suchte. Im Marzilimoos beabsichtigte der Landschaftsarchitekt Franz Vogel durch eine zwanglose und zurückhaltende Gestaltung Begrenzungen aufzuheben, um sich dem angrenzenden Aareraum anzunähern. Zugleich wirkte das Gärtnerische und die Liebe zum Handwerklichen mit, die den Anlagen ein romantisches Bild vermittelten.

Konzeptionell steht das Marzilimoos für den Beginn der Schulreformbewegung der dreissiger Jahre. Die Reformpädagogik verwarf die starren Kompositionsschemata des 19. Jahrhunderts. Sie suchte auch Alternativen zu den bisherigen Schulanlagen, die als Kasernenhöfe verschrien waren.  Eine moderne Aus­senanlage sollte das Bestreben nach Licht, Luft und Sonne fördern, kindgerecht dimensioniert sein und eine Förderung sportlicher Betätigung bieten. Neue Beachtung fand die architektonische Verbindung der Schulzimmer mit dem Aussenraum („Freiluftklasse“). Das Marzilimoos ist wegweisend für die Organisation des Aussenraums im modernen Schulbauwesen. Eine Umnutzung oder (Teil-)Überbauung war in den Augen der Gutachter letztendlich undenkbar.
Nach Kenntnis beider Gutachten verzichteten Stadt und Kanton auf eine Umwidmung und Überbauung des Areals.

Auftraggeber / Bauherr

Stadtplanungsamt Bern

Projektdaten

Schutzwertbeurteilung 2009

Zusammenarbeit

Bureau Karin Zaugg, Biel

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